Ankunft in Whitehorse – Vorbereitungen zum Start

Was passiert eigentlich, wenn ich in Whitehorse gelandet bin?

In der Vergangenheit gab es für den einen oder anderen Teilnehmer des Yukon Arctic Ultra (YAU) bereits bei dem Flug in die kanadische Wildnis die erste zusätzliche Herausforderung in der Form, dass zwar der Teilnehmer jedoch nicht (zeitgleich) sein Gepäck in Whitehorse angekommen ist.

Daher ist dringend zu empfehlen, nicht auf dem letzten Drücker in der einstigen Goldgräbermetropole anzukommen.

Die Anschlussflüge von Vancouver nach Whitehorse liegen „glücklicher Weise zeitlich so günstig“, dass die Flieger gegen Mitternacht in Whitehorse landen. Kurz vor dem Start des legendären Hundeschlittenrennens, dem Yukon Quest, sowie am Folgetag des YAU stehen bei den ankommenden Fliegern mehr Leute vor der Ausgabe des Sperrgepäckschalters als vor dem normalen Laufband.

Bis zum Öffnen der Gepäckluke heißt es Daumendrücken, dass meine Pulka die lange Reise unbeschadet überstanden hat. Nachdem langsam Pulka für Pulka zum Vorschein kommen, gilt es dieses etwas unhandliche Gepäckstück zum richtigen Bus zu hieven, der mich auch hoffentlich zum richtigen Hotel fahren wird. Definitiv werde ich an diesem Tag direkt nach dem Einchecken todmüde ins Bett fallen.

An den restlichen Tagen vor dem Laufstart wird alles andere als Langeweile aufkommen; für Sightseeing-Touren und ausgedehnten Aufenthalten in gemütlichen Cafés ist so gut wie nicht zu denken.

Ich werde sämtlichen Einkaufsläden in Whitehorse meine Aufwartung machen, um reichlich Lebensmittel, Verpackungsmaterial für diese, mehrere Flaschen Benzin für den Kocher (zum Zubereiten von warmen Mahlzeiten sowie zum Schmelzen von Schnee um Trinkwasser zu generieren) sowie den einen oder anderen kleinen Ausrüstungsgegenstand zu erwerben, den ich trotz akribischer Planung in Deutschland irgendwie nicht auf der Packliste stehen hatte.

Aber auch eher männeruntypische Gegenstände wie Tampons – die beim Entfachen eines Lagerfeuers in Benzin getränkt optimal als Brandbeschleuniger fungieren – stehen auf meiner langen Einkaufsliste.

Wenn ich alle Lebensmittel beisammen habe, werde ich diese mit Hilfe einer Küchenwaage gleichmäßig auf 16 Stundenpackungen  pro Tag, bei einem Laufpensum von 13 Tagen also auf insgesamt 208 Packungen verteilen. Eine Tätigkeit, die sehr viel Zeit in Anspruch nimmt und die ich am besten in der durch den Jetlag verursachten Wachphasen in der Nacht verrichtungsspezialisiert durchführen kann.

Abschließend darf ich alle Stunden- und sonstige Lebensmitteltüten mit meiner Startnummer versehen. Sollte auf dem Trail eine leere Tüte mit meiner Startnummer gefunden werden, werde ich disqualifiziert. Eine sehr umweltfreundliche und daher sinnvolle Rennregel!

Anschließend muss ich für drei Checkpoints Dropbags mit Lebensmittel, Batteriereserven, Ersatzkleidung und Benzinflaschen zusammenstellen, wobei sich die jeweiligen Mengenangaben nach den Distanzen zu den jeweils nächsten Checkpoints richten werden. Diese habe ich bereits in Deutschland vorberechnet.

Während dieser ganzen Vorbereitungsaktionen sind aber auch diverse Termine der YAU Vorbereitung zu beachten.

Zwei Tage vor dem Rennstart gibt es noch einen Trainingskurs, bei dem wichtige Hinweise auf das Überleben in der Natur unter den extremen Bedingungen im kanadischen Winter gegeben werden.

Letztendlich sind aber auch die Termine für 

  • den Ausrüstungscheck (Überprüfung des Schlafsystems bestehend aus Schlafsack, Matte, Biwaksack oder Zelt und dem Benzinkocker, sowie dessen Bedienung),
  • der Abgabe noch nicht eingereichter Formulare wie ärztliche Atteste
  • der Ausgabe von Startnummern und Kartenmaterial,
  • der Ausgabe der SPOT-Geräte inklusiv Briefing,
  • dem offiziellen Trail Briefing und
  • dem gemeinsamen Abschlussdinner für alle Teilnehmer und Helfer

 einzuplanen.

Für reichlich Abenteuervorfreude wird am 07.02.15 der Start des Yukon Quest sowie am 05.02.15 meine Teilnahme am Mushers-Dinner sorgen, bei dem die Startnummern des Yukon Quest verlost werden und die Gäste bei einem gemeinsamen Essen mit den Hundeschlittenführer, die in Kanada den Status von Nationalhelden haben, deren Abenteuergeschichten lauschen dürfen.

Nach diesem Terminhopping werde ich mich riesig freuen, wenn ich am 08.02.2015 um 10.29 Uhr an der Startlinie des YAU stehen darf und es nach weiteren 57 Sekunden endlich heißen wird: 3 …, 2 …, 1 … GO !!!! Mein 13-tägiges Abenteuer in der wunderschönen Wildnis Kanadas wird dann unwiderruflich beginnen …

 

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