[Video] Interview mit Jörn Theissig

Interview am 6. Dezember

Anlässlich des Geburtstagsfestes von Otmar hatten wir Gelegenheit, Jörn ein paar Fragen zu stellen.

Susanne: Im Moment sammelst Du ja Spenden für den Yukon Lauf und soweit ich jetzt mitbekommen habe ist der schon in 60 Tagen und unsere Internetcommunity ist immer sehr sehr interessiert, wie Du Dich vorbereitest. Also 60 Tage hört sich viel an, aber wie ist denn so Dein Alltag im Moment?

Jörn Theissig: Mein Alltag im Moment ist unwahrscheinlich geprägt auf der einen Seite vom Spendengelder generieren und damit ja auch sagen also hier, ich bin Otmar unwahrscheinlich dankbar, dass er hier auch den heutigen Tag in den Dienst der Allgemeinnützigkeit gestellt habt. Weil es ist nicht selbstverständlich, dass einer an seinem 60. Geburtstag sein ganzes Geld dem Verein „Projekt Schmetterling e.V.“ zur Verfügung stellt, für die psychoonkologische Betreuung von Krebskranken und deren Angehörigen einsetzt.

Ansonsten bin ich auch gerade noch so in der Hochphase meines Trainings. Ich bin heute wieder 25 Kilometer durch den Frankfurter Stadtwald gelaufen mit zwei Autoreifen im Schlepp. Das dient dazu, um die Rumpfmuskulatur zu trainieren, weil ich da oben meine ganze Ausrüstung auf einer Pulka, einem speziellen Ziehschlitten, durch Eis und Schnee mit mir führen muss. Also meinen Schlafsack, mein Zelt, meine Verpflegung, meine Wasservorräte. Alles, was ich halt brauche, um bei Temperaturen bis zu minus 50 Grad in der kanadischen Einöde im Februar, vom 8. Februar bis 21. Februar, überleben zu können.

Susanne: Das klingt ja schon wirklich sehr sehr anstrengend. Wie machst Du das parallel zu Deinem Job? Wie geht das?

Jörn Theissig: Viel Zeit bleibt da wirklich in der Tat jetzt nicht mehr übrig, weil alles, also mein beruflicher Alltag verlangt mich auch sehr. Deswegen nutze ich jede freie Zeit im Moment, um mich halt im Training sowohl körperlich als auch mental darauf vorzubereiten. Dem Mentaltraining kommt auch eine sehr hohe Bedeutung zu bei so einem Vorhaben, denn ich werde da 13 Tage in absoluter Isolation verbringen. Ich werde acht Stunden von den 16 Stunden am Tag in absoluter Dunkelheit laufen. Dafür muss man sich nicht nur logistisch und körperlich vorbereiten, sondern auch geistig vorbereiten.

Susanne: Das ist auch eine Frage, die uns immer mal wieder erreicht. Bist Du jetzt lieber auf solchen Geburtstagen, wo sehr viele Menschen sind, wo sehr viel Musik ist, wo viel gelacht wird, oder bist Du ein Mensch der Einöde?

Jörn Theissig: Ich denke, das ist die Balance. Also sowohl das eine als auch das andere ist für mich wichtig. Also hier heute Abend zum Beispiel erlebe ich unwahrscheinlich viel Zuspruch, unwahrscheinliche Motivation und das gibt mir da oben in den einsamen Stunden dann die Power, die ich brauche, um die Tiefphasen – und die werden definitiv kommen da oben – überwinden zu können.

Susanne: Ah okay. Wie sieht es denn Ernährungstechnisch aus? Also wie ernährt man sich denn da, wenn man den ganzen Tag läuft?

Jörn Theissig: Ernährungstechnisch – es wird ein Schlaraffenland für mich. Also ich darf da oben all das essen, was ich hier nicht essen darf.

Susanne: Das ist?

Jörn Theissig: Ich werde mich überwiegend von Fetten ernähren. Ich werde auch zwei Wochen vorher meinen Körper ein wenig daran gewöhnen. Also ich bin ja geheißen, da oben zwischen 7.000 und 9.000 Kilokalorien zu mir zu nehmen. Für einen Menschen mal nachvollziehbar, ich bin da geheißen pro Stunde 300 bis 400 Kilokalorien zu mir zu nehmen und abends noch eine kalorienreiche Tütensuppe, damit ich dieses Spannungsfeld aus der enormen Kälte, der körperlichen Anstrengung und der stetig steigenden Müdigkeit überhaupt in der Lage bin zu überwinden. Das heißt ich werde essen: gesalzene Erdnüsse, Cashewkerne, Schokolade, Parmesankäse. Parmesankäse hat gegenüber dem normalen Käse den Vorteil, dass der Wassergehalt geringer ist, das heißt er gefriert da oben nicht. Aber auch so was wie Mars und Snickers, allerdings muss ich die Riegel dann vorher so ein zwei Stunden an meinen Körper nehmen, weil die sonst tiefgefroren sind und am Yukon ist der nächste Zahnarzt teilweise Meilen entfernt. [siehe auch unseren Beitrag „Ernährung beim Yukon Arctic Ultra (YAU)„]

Susanne: Ja, das kann ich mir sehr gut vorstellen. Das hört wirklich wie ein Schlaraffenland an und außerdem ist es ja auch so, dass es ja dann immer leichter wird, weil Du wirst die Sachen ja essen und dann wird ja der Rucksack immer leichter.

Jörn Theissig: Es wird leichter, aber ich habe auch, an drei Checkpoints kann ich Drop Bags hinterlassen, wo ich die Möglichkeit habe, Batterievorräte, Nahrungsmittel, Ersatzteile und so zu postieren und dann kann ich meine alte gebrauchte Kleidung und das, was ich nicht mehr brauche dort entsorgen. Ich muss zum Beispiel auch jedes Nahrungsmittel mit meiner Startnummer versehen, denn sobald ich etwas Müll auf dem Trail hinterlasse, werde ich disqualifiziert und ich finde das ist auch im Hinblick auf Umweltschutz und so eine sehr gute Regel, der ich mich da gerne unterwerfen werde.

Susanne: Das klingt ja wirklich sehr spannend. Ja, vielen Dank, lieber Jörn und an die Internetcommunity: Wenn Ihr Fragen habt, schickt sie per E-Mail, per Chat, per Newsletterantwort und der Jörn ist wirklich sehr sehr begeisterter Läufer, wie Ihr es mitbekommen habt, und wird alle Fragen sehr gerne beantworten.

Jörn Theissig: Auf jeden Fall! Ich danke Dir. Tschüss.

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.