Nachtlager Yukon Arctic Marathon

Was passiert eigentlich, wenn ich abends im Yukon meinen Zeltplatz gefunden habe?

Nach einem langen Marathon-Tag

Nach einem langen Lauftag, also etwa 14-16 Stunden und 60 bis 65 km Strecke, sollte ich mich eigentlich glücklich  schätzen, wenn ich abends den Platz für das Nachtlager gefunden habe. Nicht aber beim Yukon Arctic Ultra, denn an Feierabend ist dann lange noch nicht zu denken.

Je nach Streckenabschnitt kann es sein, dass die Arbeit unter Umständen erst so richtig losgeht. Bevor im losen Schnee das Zelt überhaupt aufgebaut werden kann, muss ich zuerst mit Einsatz der Schneeschaufel bzw. Schneeschuhe einen festen Untergrund für das Zelt planieren. Vor dieser Maßnahme bin ich gut beraten, mir zuerst eine dicke Daunenjacke überzuziehen, da durch den Übergang vom Laufmodus in die inaktive Phase die Gefahr groß ist, schnell auszukühlen.

Zeltaufbau

Der Zeltaufbau sollte zügig vorangehen, so dass ich schnell in den windgeschützten Bereich des Zeltes schlüpfen kann. Handgriffe, die bei einem Zeltaufbau im Sommer problemlos zu bewältigen sind, können in Dunkelheit und mit dicken Handschuhen zu einer echten Herausforderung werden. Wenn ich beispielsweise die glatten Zeltstangen unter Spannung in die dafür vorgesehenen Ösen stecken möchte, glitschen sie schon mal gerne durch die Handschuhe und mit einem kleinen Fluchen wird der nächste Versuch unternommen.

Sobald das Zelt steht, muss die Daunenmatte aufgepumpt und der Daunenschlafsack aus dem Kompressionssack befreit werden. Sobald sich die Daunen des Schlafsackes etwas ausgebreitet haben, hat der Schlafsack ein Volumen angenommen, welches das Zelt schon fast zur Hälfte füllt.

Auf meiner Pulka habe ich zudem immer extra Säcke gelagert, die ausschließlich für den abendlichen Bedarf im Zelt bestimmt sind, da es in der Dunkelheit und Kälte nicht gerade erheiternd ist, sich die notwendigen Utensilien einzeln aus mehreren Säcken zusammen zu suchen.

Wenn ich dann in das Zelt gekrochen bin, entledige ich mich meiner Laufklamotten, ziehe einen „Schlafanzug“ an und kuschele mich in meinen Daunenschlafsack.

Vorbereitung für den nächsten Tag

In der Apsis des Zeltes bzw. vor dem Zelteingang bereite ich dann meinen Benzinkocher vor, um mir meine Abendessen zu kochen. Je nach Streckenabschnitt kann es sein, dass ich abends zusätzlich noch einige Liter Schnee schmelzen darf, um Trinkwasser für den Folgetag zu generieren. Insgesamt könnte ich für meinen Camelback (Trinkblase) und die vier Thermoskannen 6,5 Liter Wasser vorbereiten.

Diese Prozedur nimmt einige (nervtötende) Zeit in Anspruch, bei der die Augen schon gerne mal zufallen, da ich nach einem langen Lauftag eigentlich nur noch das Bedürfnis auf einen schnellen Schlaf habe.

Sobald ich meine Küche geschlossen habe, packe ich alle Gegenstände in den Schlafsack, die ich am nächsten Morgen ungern tiefgefroren erleben möchte, d.h. die komplette Kleidung, Schuhe, Trinkblase, Herzstück des Benzinkochers, Satellitentelefon, Desinfektionsmittel etc. werden im Schlafsack die wohltuende Wärme mit mir teilen dürfen.

Der Schlafsack

Damit es richtig gemütlich wird, packe ich mich zusätzlich in einen Plastikschlafsack, einem sogenannten VBL-Schlafsack (Vapor-Barrier-Liner; übersetzt: Dampfsperre) und damit in den Daunenschlafsack. Hierdurch verhindere ich, dass die 0,5 bis 1 Liter Kondensflüssigkeit, die jeder menschliche Körper pro Nacht von sich gibt, direkt in die wärmende Daune des Schlafsackes gelangt. Über einen Zeitraum von 12 Nächten könnte sich das angesammelte Kondenswasser negativ auf die Wärmeisolierung des Schlafsackes auswirken.

Aufstehen und weiter in den nächsten Marathon-Tag

Wenn ich morgens – natürlich gefühlt immer viel zu früh – durch einen starken Vibrationsalarm meiner Uhr unsanft aus dem Schlaf gerissen werde und  in meinen nunmehr etwas klammen Schlafanzug aufwache, ziehe ich diesen aus, hänge ihn kurz zum Gefrieren außerhalb des Zeltes auf, um ihn anschließend mit einer etwas härteren Haushaltsbürste nach ein paar Minuten von Eis und Schnee zu befreien. Nach diesem Gefriertrocken ist der Schlafanzug bereit für die nächste Nacht. Nachdem ich den ganzen Krempel am nächsten Morgen in klirrender Kälte aus dem Zelt wieder in die Pulka geräumt habe, baue ich zuletzt das Zelt ab und freue mich auf den folgenden Abend, an dem das ganze eben beschriebene Prozedere von vorne beginnt …

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