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[Video] Der erste Tag in der „Hölle des Nordens“ ist überstanden …

…und plötzlich liegt Jörn auf Bronzekurs beim Arctic Ultra Marathon

Ausdauer, Mut und Durchhaltevermögen sind die Stärken, die Jörn Theissig in diesen Wettbewerb einbringen wollte und die er über ein Jahr lang trainiert hat. Es beginnt sich auszuzahlen. Nur noch 7 Läufer sind beim 430 Meilen Lauf unterwegs…von ursprünglich 19 gestarteten. Gestern morgen ist eine weitere Läuferin ausgeschieden….die Füsse wollten einfach nicht mehr. Und plötzlich liegt Jörn auf dem 3. Platz in der Kategorie der  Läufer. Den ersten Tag in der Hölle des Nordens hat er gut überstanden, auch wenn die Strecke ihm alles abverlangt hat. Er musste mit der 30 kg schweren Pulka mehr als 500 Höhenmeter klettern und einige zugefrorene Stellen an Flüssen und Seen überqueren. Nachdem er unter diesen erschwerten Bedingungen 34 Meilen gelaufen ist hat er sich sein kleines Zelt aufgebaut, Schnee geschmolzen um die Wasservorräte aufzufüllen und sich ein leckeres Elchgulasch auf seinem Benzinkocher zubereitet.  Kurz nach 20 Uhr ging es dann schon in den Schlafsack, damit er gegen 4 Uhr morgens wieder loskommt. Heute stehen weitere 34 Meilen auf dem Programm bis er zum letzten Checkpoint Scroggie Creek kommt. Dort wird er nochmal im Zelt des Checkpoints übernachten um am Mittwoch morgen die letzten 100 Meilen anzugehen.

Dawson City – Goldgräber Hochburg

Otmar und Ingrid Debald vom Verein Projekt Schmetterling sind schon in Dawson City angekommen und haben sich die Ziellinie  bereits angeschaut und einige schöne Bilder von der ehemaligen Goldgräber Hochburg gemacht. Hier wird Jörn – wenn alles gut geht – am Freitag einlaufen. Bis dahin müssen die maroden Füße noch gut 200 Kilometer gehen. Wir drücken Jörn die Daumen, dass die letzten Tage in der einsamen Wildnis erfolgreich sind.

 

Ernährung während des Rennens

Auf seinem Weg nach Pelly Farm hat sich Jörn gestern auch über seine Ernährung während des Rennens geäußert. Im folgenden Video berichtet er darüber, wie sein Körper ihm den ein oder anderen Streich gespielt hat und er sich völlig anders ernährt als ursprünglich geplant.

Ein legendäres Etappenziel ist erreicht – bevor es in die „Hölle des Nordens“ geht.

Legendäre Lasagne

Über 50 km vom nächsten Dorf entfernt ist die einsame Pelly Farm das beliebteste Etappenziel beim Yukon Arctic Ultra. Die tief verschneite Strasse zur Farm bietet wunderschöne Ausblicke. Der Empfang  durch die Besitzer der kleinen Farm ist überaus herzlich. Die Athleten sitzen in dem kleinen Wohnzimmer und werden fürstlich bewirtet. Sie dürfen auch im Haus übernachten…was Jörn und einige andere gerne in Anspruch nehmen. Legendär ist die Lasagne, die die Hausherrin in großen Mengen für die Gäste bereithält.

Rodelspass in Kanada

Jörn war heute 13 Stunden unterwegs. Auf der hügeligen Strasse nach Pelly Farm ging es gut voran. Bergab hat Jörn zum erstenmal die Pulka als Rodelschlitten genutzt…wie man in dem Video sieht mit Erfolg und viel Spaß.

Erste körperliche Beeinträchtigungen bei Jörn

Die Sonne und die gute Stimmung mögen darüber hinweg täuschen, dass das Rennen weiterhin sehr anstrengend ist. Gut 450 km hat Jörn nun in 8 Tagen hinter sich gebracht. Die Fussgelenke schmerzen etwas, aber behindern ihn nicht beim Laufen. Heute sind weitere 4 Athleten ausgeschieden. In der Kategorie 430 Meilen Läufer sind nur noch 8 Teilnehmer im Rennen…von ursprünglich 19 gestarteten. Die schwierigste Phase des Rennens steht Jörn aber noch bevor. Von Pelly Farm führt die verbleibende Strecke ca 250 km durch völlige Einsamkeit. Diese „Hölle des Nordens“, die auch noch ziemliche Steigungen enthält, wird ihm alles abverlangen. Es gibt keine Übernachtungen mehr in Häusern…es gibt nur noch einen Checkpoint in der Wildnis…ein einfaches Zelt. Jörn wird also definitiv auf dem Trail übernachten müssen. Zum Glück bleibt das Wetter erträglich, mit maximal -15 Grad in den kommenden Nächten.

Die ersten sind schon da

Die Mountainbiker sind dieses Jahr die Gewinner. Der tief geforerene Schnee war der ideale Untergrund. Enrico Ghedoni hat heute Nachmittag das Rennen gewonnen und auch der zweite Derek Crowe ist schon im Ziel. Die beiden Läufer Hanno Heiss und Joel Casademont aus Spanien liegen bei 350 Meilen fast gleichauf. Sie dürften wohl am Dienstag Nachmittag hier in Dawson City einlaufen….vielleicht gibt es ja einen Endspurt. Wir werden berichten, denn Otmar und Ingrid Debald sind bereits in Dawson City und werden an der Ziellinie auf die Teilnehmer warten.

 

Tag 7 war ein entspannter Tag – nur 9 Stunden unterwegs und 45 km gelaufen

Valentinstag entspannter

Nachdem es gestern mit 66 km eine unerwartet lange und anstrengende Etappe gab, war der Valentinstag ein recht entspannter Tag für Jörn Theissig. Um 5 Uhr morgens ging’s los, durch immer tiefer verschneite Gebiete auf wunderbar präparierten Trails. Etwas mehr als eine Marathondistanz war nötig um am nächsten Checkpoint in Pelly Crossing anzukommen. Das hat Jörn dann auch gegen 15 Uhr geschafft. Danach war endlich mal Zeit den „Feierabend“ zu geniessen, was man Jörn bei seinem entspannten Interview auf einem Snowmobil anmerkt.

Genau 398 Kilometer ist Jörn nun in den ersten 7 Tagen des Rennens gelaufen. Es zwickt an einigen Stellen ganz ordentlich – zum Beispiel in den Fussgelenken – aber insgesamt ist Jörn in sehr guter Verfassung. Nur  die Ernährung läuft nicht ganz nach Plan. Es mischen sich immer wieder Heisshunger Attacken auf Gummibärchen ein…aber wer jeden Tag 9000 Kalorien verbraucht, kann sich das leisten.

Die Mitbewerber

Heute mussten leider weitere 4 Läufer aufgeben. Sie waren entweder hoffnungslos zurückgefallen oder haben sich Verletzungen zugezogen. Ein Warnzeichen für Jörn..auch wenn es gut läuft….es kann sich zu jeder Stunde ändern und manch einer ist noch am letzten Renntag gestolpert.

An der Spitze fährt Enrico Ghidoni ein einsames Rennen. Er hat fast 400 Meilen hinter sich und wird wohl am Sonntag in Dawson City mit neuem Streckenrekord einradeln. Und das mit 61 Jahren…ein Phänomen.

Auf dem Weg zum Checkpoint Pelly Farm

Morgen steht wieder eine relativ kurze Etappe an…31 Meilen, etwa 50 Kilometer muss Jörn bis zum Checkpoint Pelly Farm laufen. Am frühen Nachmittag erwarten wir Jörn dann dort. Auf der Farm soll es fantastische Lasagne geben. Darauf freut sich Jörn schon. Auf der Pelly Farm gibt es eine vorgeschriebene Pause von 8 Stunden, bevor es dann durchs Gebirge Richtung Dawson City geht. Die letzten 4 Renntage werden dann nochmal richtig schwer.

 

 

Jörn Theissig ist im Yukon angekommen

In wenigen Tagen geht das Yukon Arctic Ultra Rennen los.

Nach fast 24 stündiger Reise ist Jörn Theissig Dienstag um Mitternacht Ortszeit in Whitehorse eingetroffen. Zum Glück kam auch die gesamte Rennausrüstung einschliesslich der Pulka in Whitehorse an. Jetzt können die Rennvorbereitungen also losgehen.

Die größte Unbekannte sind die Wetterverhältnisse. Der Januar hat mit unerwartet hohen Temperaturen begonnen. Was für uns ganz vorteilhaft erscheint, ist allerdings nicht ideal für diesen Sport, denn der Schnee ist viel zu weich und die Ufer des Yukons, an dem der Trail zu Beginn entlang führt, waren noch Anfang der Woche überschwemmt. Nun hat sich das Wetter binnen weniger Tage in das andere Extrem gekehrt…am Morgen nach seiner Ankunft hat Jörn knapp 32° unter null gemessen. Das hilft den Schnee und die Wasserpfützen zu verdichten…birgt aber Gefahren der Erfrierung für die Athleten. Gute Vorbereitung und durchdachte Ausrüstung ist also nochmal wichtiger.

Jörn ging deshalb gleich am ersten Morgen auf den Trail des Yukon Arctic Ultra um seine Ausrüstung zu testen. Anbei sind einige Aufnahmen der wunderschönen Landschaft und des Trails, auf dem das Rennen kommenden Sonntag verläuft.

 

Die ersten Runden um Whitehorse liefen prima…die Kleidung hält so warm wie nötig. Die lange Vorbereitung und Planung aller Eventualitäten zahlt sich nun aus. Es kann losgehen!

Einen Tag vor dem Start des Arctic Ultra beginnt übrigens das Hundeschlittenrennen des Yukon Quest, eines der drei bedeutendsten Rennen dieser Sportart. Die Läufer des Yukon Arctic Ultra Marathon und die Führer bzw. Fahrer des Hundeschlittenrennens werden am Donnerstag Abend ein gemeinsames Bankett haben. Dabei wird Jörn auch den Sieger des Hundeschlittenrennens der letzen beiden Jahre treffen. Wir werden in unserem newsletter ausführlich über diese Begegnung berichten.

Beste Grüße aus dem Norden Kanadas

PS. Wenn Sie den Newsletter buchen möchten, dann bitte hier einfach Ihre eMail eintragen. Während der heißen Phase des Rennens berichten wir täglich (fast) live aus Kanada!

Was passiert eigentlich, wenn mir etwas passieren sollte?

Evakuierungsaktion mit Schneemobilen beim YAU

Evakuierungsaktion mit Schneemobilen beim YAU

Gute Vorbereitung

Der Veranstalter des Yukon Arctic Ultra (YAU), Robert Pollhammer, legt sehr viel Wert auf die Sicherheit seiner Läuferinnen und Läufer. So werden die Teilnehmer bereits im Vorfeld ausführlich über mögliche Gefahren sensibilisiert, die aufgrund der extremen Rennbedingungen (enorme Kälte; Wildnistrails; Non-Stopp-Rennmodus etc.) lebensbedrohlich werden können. Ferner muss jeder Teilnehmer vor dem Lauf eine ärztliche Erklärung vorlegen, dass aus medizinischer Sicht keine Einwände gegen eine Teilnahme bei diesem Rennen bestehen. Da diese Bescheinigung nicht älter als vier Wochen sein darf, habe ich meine Arztbesuche erst auf Mitte Januar terminiert.

Worst-Case-Szenarien einplanen

Bei dem diesjährigen YAU gehen ausschließlich Einzelteilnehmer an den Start. Aus diesem Grund sollte sich jeder Teilnehmer im Vorfeld über bestimmte Worst-Case-Szenarien (Einbruch im Wasser etc.) Gedanken machen und sich darüber im Klaren sein, welche entsprechenden Gegenmaßnahmen einzuleiten sind.

Vor Ort stehen zudem lokale medizinische Berater für das Rennen zur Verfügung, die jederzeit aufgrund von lebensbedrohlichen Situationen (Schneestürme, extreme Kälte etc.) eine Rennunterbrechung veranlassen können. In so einem Fall sind die Teilnehmer aufgefordert, am nächsten Checkpoint zu stoppen.

Notfall-Telefon und SPOT Gerät

Falls ich aus irgendeinem Grund unüberwindbare Probleme bekommen sollte, werde ich ein Satellitentelefon bei mir tragen, welches es mir ermöglicht, in der Wildnis Kanadas mit der Rennleitung bzw. mit dem nächsten Checkpoint in Kontakt zu treten.

Das SPOT-Gerät, über das ich rund um die Uhr geortet werde, kann eine wichtige Bedeutung zukommen. An diesem Gerät gibt es zwei Grundeinstellungen, die der Rennleitung darüber Auskunft geben, ob ich mich im Renn- oder Schlafmodus befinde. Wenn ich mir also ein paar Stunden Schlaf gönnen möchte, drücke ich eine bestimmte Tastenkombination, sodass sich niemand wundert, warum ich in klirrender Kälte ein paar Stunden an der gleichen Stelle verbringe. Sollte im Laufmodus ein mehrstündiger Aufenthalt an einer Stelle angezeigt werden, wäre dieses ein Anzeichen für ein eher laufuntypisches Verhalten.

Zusätzlich befinden sich an diesem Gerät zwei Tasten für absolute Notfälle. Die Aktivierung der „Help-Taste“, läuft direkt bei der Rennleitung auf, von wo aus die entsprechende Evakuierung bzw. Rettungsaktion dann unmittelbar eingeleitet wird. Die Einsätze werden jedoch nach Dringlichkeit priorisiert, d.h. es kann eventuell auch in einer unangenehmen Situation noch zu langen Wartezeiten kommen. Wenn beispielsweise nachts ein „Hilfe-Ruf“ abgesendet wird, kann es unter Umständen bis zum nächsten Morgen dauern, bis Hilfe bei dem Teilnehmer vor Ort eintrifft.

Hilfseinsätze können Stunden entfernt sein

Selbst bei Aktivierung der 911-Taste (zweite Taste für lebensbedrohliche Situationen) kann es unter Umständen Stunden dauern, bis die Rettungskräfte vor Ort eintreffen. Bei extremen Temperaturen kann es sogar sein, dass sich Rettungskräfte nicht auf den Weg machen, da Helikopter oder Schneemobile nicht funktionieren. Aus diesem Grund kommt der vorgeschriebenen Pflichtausrüstung und zusätzlicher Verpflegung für mindestens 48 Stunde eine besondere Bedeutung zu. Da eine Rettungs- bzw. Evakuierungsaktion in der Wildnis Kanadas sehr schnell sehr teuer werden kann, habe ich im Vorfeld eine entsprechende Expeditionsversicherung abgeschlossen, um die finanziellen Leistungen kompensieren zu können.

Ankunft in Whitehorse – Vorbereitungen zum Start

Was passiert eigentlich, wenn ich in Whitehorse gelandet bin?

In der Vergangenheit gab es für den einen oder anderen Teilnehmer des Yukon Arctic Ultra (YAU) bereits bei dem Flug in die kanadische Wildnis die erste zusätzliche Herausforderung in der Form, dass zwar der Teilnehmer jedoch nicht (zeitgleich) sein Gepäck in Whitehorse angekommen ist.

Daher ist dringend zu empfehlen, nicht auf dem letzten Drücker in der einstigen Goldgräbermetropole anzukommen.

Die Anschlussflüge von Vancouver nach Whitehorse liegen „glücklicher Weise zeitlich so günstig“, dass die Flieger gegen Mitternacht in Whitehorse landen. Kurz vor dem Start des legendären Hundeschlittenrennens, dem Yukon Quest, sowie am Folgetag des YAU stehen bei den ankommenden Fliegern mehr Leute vor der Ausgabe des Sperrgepäckschalters als vor dem normalen Laufband.

Bis zum Öffnen der Gepäckluke heißt es Daumendrücken, dass meine Pulka die lange Reise unbeschadet überstanden hat. Nachdem langsam Pulka für Pulka zum Vorschein kommen, gilt es dieses etwas unhandliche Gepäckstück zum richtigen Bus zu hieven, der mich auch hoffentlich zum richtigen Hotel fahren wird. Definitiv werde ich an diesem Tag direkt nach dem Einchecken todmüde ins Bett fallen.

An den restlichen Tagen vor dem Laufstart wird alles andere als Langeweile aufkommen; für Sightseeing-Touren und ausgedehnten Aufenthalten in gemütlichen Cafés ist so gut wie nicht zu denken.

Ich werde sämtlichen Einkaufsläden in Whitehorse meine Aufwartung machen, um reichlich Lebensmittel, Verpackungsmaterial für diese, mehrere Flaschen Benzin für den Kocher (zum Zubereiten von warmen Mahlzeiten sowie zum Schmelzen von Schnee um Trinkwasser zu generieren) sowie den einen oder anderen kleinen Ausrüstungsgegenstand zu erwerben, den ich trotz akribischer Planung in Deutschland irgendwie nicht auf der Packliste stehen hatte.

Aber auch eher männeruntypische Gegenstände wie Tampons – die beim Entfachen eines Lagerfeuers in Benzin getränkt optimal als Brandbeschleuniger fungieren – stehen auf meiner langen Einkaufsliste.

Wenn ich alle Lebensmittel beisammen habe, werde ich diese mit Hilfe einer Küchenwaage gleichmäßig auf 16 Stundenpackungen  pro Tag, bei einem Laufpensum von 13 Tagen also auf insgesamt 208 Packungen verteilen. Eine Tätigkeit, die sehr viel Zeit in Anspruch nimmt und die ich am besten in der durch den Jetlag verursachten Wachphasen in der Nacht verrichtungsspezialisiert durchführen kann.

Abschließend darf ich alle Stunden- und sonstige Lebensmitteltüten mit meiner Startnummer versehen. Sollte auf dem Trail eine leere Tüte mit meiner Startnummer gefunden werden, werde ich disqualifiziert. Eine sehr umweltfreundliche und daher sinnvolle Rennregel!

Anschließend muss ich für drei Checkpoints Dropbags mit Lebensmittel, Batteriereserven, Ersatzkleidung und Benzinflaschen zusammenstellen, wobei sich die jeweiligen Mengenangaben nach den Distanzen zu den jeweils nächsten Checkpoints richten werden. Diese habe ich bereits in Deutschland vorberechnet.

Während dieser ganzen Vorbereitungsaktionen sind aber auch diverse Termine der YAU Vorbereitung zu beachten.

Zwei Tage vor dem Rennstart gibt es noch einen Trainingskurs, bei dem wichtige Hinweise auf das Überleben in der Natur unter den extremen Bedingungen im kanadischen Winter gegeben werden.

Letztendlich sind aber auch die Termine für 

  • den Ausrüstungscheck (Überprüfung des Schlafsystems bestehend aus Schlafsack, Matte, Biwaksack oder Zelt und dem Benzinkocker, sowie dessen Bedienung),
  • der Abgabe noch nicht eingereichter Formulare wie ärztliche Atteste
  • der Ausgabe von Startnummern und Kartenmaterial,
  • der Ausgabe der SPOT-Geräte inklusiv Briefing,
  • dem offiziellen Trail Briefing und
  • dem gemeinsamen Abschlussdinner für alle Teilnehmer und Helfer

 einzuplanen.

Für reichlich Abenteuervorfreude wird am 07.02.15 der Start des Yukon Quest sowie am 05.02.15 meine Teilnahme am Mushers-Dinner sorgen, bei dem die Startnummern des Yukon Quest verlost werden und die Gäste bei einem gemeinsamen Essen mit den Hundeschlittenführer, die in Kanada den Status von Nationalhelden haben, deren Abenteuergeschichten lauschen dürfen.

Nach diesem Terminhopping werde ich mich riesig freuen, wenn ich am 08.02.2015 um 10.29 Uhr an der Startlinie des YAU stehen darf und es nach weiteren 57 Sekunden endlich heißen wird: 3 …, 2 …, 1 … GO !!!! Mein 13-tägiges Abenteuer in der wunderschönen Wildnis Kanadas wird dann unwiderruflich beginnen …

 

[Video] Interview mit Jörn Theissig

Interview am 6. Dezember

Anlässlich des Geburtstagsfestes von Otmar hatten wir Gelegenheit, Jörn ein paar Fragen zu stellen.

Susanne: Im Moment sammelst Du ja Spenden für den Yukon Lauf und soweit ich jetzt mitbekommen habe ist der schon in 60 Tagen und unsere Internetcommunity ist immer sehr sehr interessiert, wie Du Dich vorbereitest. Also 60 Tage hört sich viel an, aber wie ist denn so Dein Alltag im Moment?

Jörn Theissig: Mein Alltag im Moment ist unwahrscheinlich geprägt auf der einen Seite vom Spendengelder generieren und damit ja auch sagen also hier, ich bin Otmar unwahrscheinlich dankbar, dass er hier auch den heutigen Tag in den Dienst der Allgemeinnützigkeit gestellt habt. Weil es ist nicht selbstverständlich, dass einer an seinem 60. Geburtstag sein ganzes Geld dem Verein „Projekt Schmetterling e.V.“ zur Verfügung stellt, für die psychoonkologische Betreuung von Krebskranken und deren Angehörigen einsetzt.

Ansonsten bin ich auch gerade noch so in der Hochphase meines Trainings. Ich bin heute wieder 25 Kilometer durch den Frankfurter Stadtwald gelaufen mit zwei Autoreifen im Schlepp. Das dient dazu, um die Rumpfmuskulatur zu trainieren, weil ich da oben meine ganze Ausrüstung auf einer Pulka, einem speziellen Ziehschlitten, durch Eis und Schnee mit mir führen muss. Also meinen Schlafsack, mein Zelt, meine Verpflegung, meine Wasservorräte. Alles, was ich halt brauche, um bei Temperaturen bis zu minus 50 Grad in der kanadischen Einöde im Februar, vom 8. Februar bis 21. Februar, überleben zu können.

Susanne: Das klingt ja schon wirklich sehr sehr anstrengend. Wie machst Du das parallel zu Deinem Job? Wie geht das?

Jörn Theissig: Viel Zeit bleibt da wirklich in der Tat jetzt nicht mehr übrig, weil alles, also mein beruflicher Alltag verlangt mich auch sehr. Deswegen nutze ich jede freie Zeit im Moment, um mich halt im Training sowohl körperlich als auch mental darauf vorzubereiten. Dem Mentaltraining kommt auch eine sehr hohe Bedeutung zu bei so einem Vorhaben, denn ich werde da 13 Tage in absoluter Isolation verbringen. Ich werde acht Stunden von den 16 Stunden am Tag in absoluter Dunkelheit laufen. Dafür muss man sich nicht nur logistisch und körperlich vorbereiten, sondern auch geistig vorbereiten.

Susanne: Das ist auch eine Frage, die uns immer mal wieder erreicht. Bist Du jetzt lieber auf solchen Geburtstagen, wo sehr viele Menschen sind, wo sehr viel Musik ist, wo viel gelacht wird, oder bist Du ein Mensch der Einöde?

Jörn Theissig: Ich denke, das ist die Balance. Also sowohl das eine als auch das andere ist für mich wichtig. Also hier heute Abend zum Beispiel erlebe ich unwahrscheinlich viel Zuspruch, unwahrscheinliche Motivation und das gibt mir da oben in den einsamen Stunden dann die Power, die ich brauche, um die Tiefphasen – und die werden definitiv kommen da oben – überwinden zu können.

Susanne: Ah okay. Wie sieht es denn Ernährungstechnisch aus? Also wie ernährt man sich denn da, wenn man den ganzen Tag läuft?

Jörn Theissig: Ernährungstechnisch – es wird ein Schlaraffenland für mich. Also ich darf da oben all das essen, was ich hier nicht essen darf.

Susanne: Das ist?

Jörn Theissig: Ich werde mich überwiegend von Fetten ernähren. Ich werde auch zwei Wochen vorher meinen Körper ein wenig daran gewöhnen. Also ich bin ja geheißen, da oben zwischen 7.000 und 9.000 Kilokalorien zu mir zu nehmen. Für einen Menschen mal nachvollziehbar, ich bin da geheißen pro Stunde 300 bis 400 Kilokalorien zu mir zu nehmen und abends noch eine kalorienreiche Tütensuppe, damit ich dieses Spannungsfeld aus der enormen Kälte, der körperlichen Anstrengung und der stetig steigenden Müdigkeit überhaupt in der Lage bin zu überwinden. Das heißt ich werde essen: gesalzene Erdnüsse, Cashewkerne, Schokolade, Parmesankäse. Parmesankäse hat gegenüber dem normalen Käse den Vorteil, dass der Wassergehalt geringer ist, das heißt er gefriert da oben nicht. Aber auch so was wie Mars und Snickers, allerdings muss ich die Riegel dann vorher so ein zwei Stunden an meinen Körper nehmen, weil die sonst tiefgefroren sind und am Yukon ist der nächste Zahnarzt teilweise Meilen entfernt. [siehe auch unseren Beitrag „Ernährung beim Yukon Arctic Ultra (YAU)„]

Susanne: Ja, das kann ich mir sehr gut vorstellen. Das hört wirklich wie ein Schlaraffenland an und außerdem ist es ja auch so, dass es ja dann immer leichter wird, weil Du wirst die Sachen ja essen und dann wird ja der Rucksack immer leichter.

Jörn Theissig: Es wird leichter, aber ich habe auch, an drei Checkpoints kann ich Drop Bags hinterlassen, wo ich die Möglichkeit habe, Batterievorräte, Nahrungsmittel, Ersatzteile und so zu postieren und dann kann ich meine alte gebrauchte Kleidung und das, was ich nicht mehr brauche dort entsorgen. Ich muss zum Beispiel auch jedes Nahrungsmittel mit meiner Startnummer versehen, denn sobald ich etwas Müll auf dem Trail hinterlasse, werde ich disqualifiziert und ich finde das ist auch im Hinblick auf Umweltschutz und so eine sehr gute Regel, der ich mich da gerne unterwerfen werde.

Susanne: Das klingt ja wirklich sehr spannend. Ja, vielen Dank, lieber Jörn und an die Internetcommunity: Wenn Ihr Fragen habt, schickt sie per E-Mail, per Chat, per Newsletterantwort und der Jörn ist wirklich sehr sehr begeisterter Läufer, wie Ihr es mitbekommen habt, und wird alle Fragen sehr gerne beantworten.

Jörn Theissig: Auf jeden Fall! Ich danke Dir. Tschüss.

Was passiert eigentlich, wenn ich abends im Yukon meinen Zeltplatz gefunden habe?

Nach einem langen Marathon-Tag

Nach einem langen Lauftag, also etwa 14-16 Stunden und 60 bis 65 km Strecke, sollte ich mich eigentlich glücklich  schätzen, wenn ich abends den Platz für das Nachtlager gefunden habe. Nicht aber beim Yukon Arctic Ultra, denn an Feierabend ist dann lange noch nicht zu denken.

Je nach Streckenabschnitt kann es sein, dass die Arbeit unter Umständen erst so richtig losgeht. Bevor im losen Schnee das Zelt überhaupt aufgebaut werden kann, muss ich zuerst mit Einsatz der Schneeschaufel bzw. Schneeschuhe einen festen Untergrund für das Zelt planieren. Vor dieser Maßnahme bin ich gut beraten, mir zuerst eine dicke Daunenjacke überzuziehen, da durch den Übergang vom Laufmodus in die inaktive Phase die Gefahr groß ist, schnell auszukühlen.

Zeltaufbau

Der Zeltaufbau sollte zügig vorangehen, so dass ich schnell in den windgeschützten Bereich des Zeltes schlüpfen kann. Handgriffe, die bei einem Zeltaufbau im Sommer problemlos zu bewältigen sind, können in Dunkelheit und mit dicken Handschuhen zu einer echten Herausforderung werden. Wenn ich beispielsweise die glatten Zeltstangen unter Spannung in die dafür vorgesehenen Ösen stecken möchte, glitschen sie schon mal gerne durch die Handschuhe und mit einem kleinen Fluchen wird der nächste Versuch unternommen.

Sobald das Zelt steht, muss die Daunenmatte aufgepumpt und der Daunenschlafsack aus dem Kompressionssack befreit werden. Sobald sich die Daunen des Schlafsackes etwas ausgebreitet haben, hat der Schlafsack ein Volumen angenommen, welches das Zelt schon fast zur Hälfte füllt.

Auf meiner Pulka habe ich zudem immer extra Säcke gelagert, die ausschließlich für den abendlichen Bedarf im Zelt bestimmt sind, da es in der Dunkelheit und Kälte nicht gerade erheiternd ist, sich die notwendigen Utensilien einzeln aus mehreren Säcken zusammen zu suchen.

Wenn ich dann in das Zelt gekrochen bin, entledige ich mich meiner Laufklamotten, ziehe einen „Schlafanzug“ an und kuschele mich in meinen Daunenschlafsack.

Vorbereitung für den nächsten Tag

In der Apsis des Zeltes bzw. vor dem Zelteingang bereite ich dann meinen Benzinkocher vor, um mir meine Abendessen zu kochen. Je nach Streckenabschnitt kann es sein, dass ich abends zusätzlich noch einige Liter Schnee schmelzen darf, um Trinkwasser für den Folgetag zu generieren. Insgesamt könnte ich für meinen Camelback (Trinkblase) und die vier Thermoskannen 6,5 Liter Wasser vorbereiten.

Diese Prozedur nimmt einige (nervtötende) Zeit in Anspruch, bei der die Augen schon gerne mal zufallen, da ich nach einem langen Lauftag eigentlich nur noch das Bedürfnis auf einen schnellen Schlaf habe.

Sobald ich meine Küche geschlossen habe, packe ich alle Gegenstände in den Schlafsack, die ich am nächsten Morgen ungern tiefgefroren erleben möchte, d.h. die komplette Kleidung, Schuhe, Trinkblase, Herzstück des Benzinkochers, Satellitentelefon, Desinfektionsmittel etc. werden im Schlafsack die wohltuende Wärme mit mir teilen dürfen.

Der Schlafsack

Damit es richtig gemütlich wird, packe ich mich zusätzlich in einen Plastikschlafsack, einem sogenannten VBL-Schlafsack (Vapor-Barrier-Liner; übersetzt: Dampfsperre) und damit in den Daunenschlafsack. Hierdurch verhindere ich, dass die 0,5 bis 1 Liter Kondensflüssigkeit, die jeder menschliche Körper pro Nacht von sich gibt, direkt in die wärmende Daune des Schlafsackes gelangt. Über einen Zeitraum von 12 Nächten könnte sich das angesammelte Kondenswasser negativ auf die Wärmeisolierung des Schlafsackes auswirken.

Aufstehen und weiter in den nächsten Marathon-Tag

Wenn ich morgens – natürlich gefühlt immer viel zu früh – durch einen starken Vibrationsalarm meiner Uhr unsanft aus dem Schlaf gerissen werde und  in meinen nunmehr etwas klammen Schlafanzug aufwache, ziehe ich diesen aus, hänge ihn kurz zum Gefrieren außerhalb des Zeltes auf, um ihn anschließend mit einer etwas härteren Haushaltsbürste nach ein paar Minuten von Eis und Schnee zu befreien. Nach diesem Gefriertrocken ist der Schlafanzug bereit für die nächste Nacht. Nachdem ich den ganzen Krempel am nächsten Morgen in klirrender Kälte aus dem Zelt wieder in die Pulka geräumt habe, baue ich zuletzt das Zelt ab und freue mich auf den folgenden Abend, an dem das ganze eben beschriebene Prozedere von vorne beginnt …

Ernährung beim Yukon Arctic Ultra (YAU)

All you can eat – vor allem das, was in Deutschland „verboten“ ist

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Die Schokolade wird im Hotel direkt vor dem Lauf portioniert.

Die Ernährung ist beim YAU von enormer Wichtigkeit – von ihr kann unter Umständen der Erfolg oder Misserfolg des Laufs abhängen. Nach dem Regelwerk liegt die Verpflegung im Rahmen der Selbstversorgung grundsätzlich in der Eigenverantwortung aller Teilnehmer.

Zwar gibt es auf der 430 Meilen Distanz von Whitehorse nach Dawson City an den 10 zu absolvierenden Checkpoints jeweils eine warme Mahlzeit (meistens in Form einer Suppe) und den Athleten die Möglichkeit ihre Wasservorräte aufzufüllen, aber das reicht bei weitem nicht, um den täglichen Energieverbrauch von ca. 7.000 – 9.000 Kcal auszugleichen.

Fettreiche Ernährung

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Eine Tagesration an Stundenbeuteln

Um diesen enormen Energieverbrauch überhaupt erreichen zu können, ist meine Ernährung beim YAU sehr fetthaltig. Fett hat den Vorteil, dass es doppelt soviel Energie enthält wie Kohlehydrate und Eiweiß. In der extremen Kälte während des YAU wird ein Großteil der Energie für den Wärmehaushalt benötigt.

Da die Tage beim YAU sehr lang sind, ist eine gleichmäßige und dauerhafte Energiezufuhr während des Rennens insbesondere während der aktiven Laufphase äußerst wichtig. Aus diesem Grund bin ich gehalten bei ca. 15 Stunden Laufaktivität pro Tag stündlich Portionen (Stundenpackungen siehe Foto) zwischen 300 – 400 Kcal zu mir zu nehmen, ergänzend durch eine allabendliche hochkalorienreiche „Tütensuppe“. Ein stündlicher starker Vibrationsalarm an meiner speziellen Uhr zwingt mich zu einer regelmäßigen Nahrungsaufnahme. Um während dieser Prozedur nicht auszukühlen, mache ich nur sehr kurze Pausen bzw. esse im Laufen.

Erdnüsse, Cashewkerne, Schokolade

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4 kg Erdnüsse, nur für die letzte Tour

Wie anhand des Fotos zu erkennen ist, gönne ich mir tagsüber all die Köstlichkeiten, die in Deutschland für reichlich „Hüftgold“ sorgen würden, insbesondere: gesalzene Erdnüsse bzw. Cashewkerne, Schokolade, Rosinen und selbstgemachte Müsliriegel. Für etwas Abwechslung sorgt beispielsweise Parmesankäse, der aufgrund des geringen Wassergehaltes nicht so schnell gefriert. Möchte ich beispielsweise ein Snickers oder Mars zu mir nehmen, muss ich den Riegel ca. 1-2 Stunden vor Verzehr an meinem Körper auftauen; ein Zahnarzt ist im Yukon unter Umständen mehrere Hundert Meilen von der Laufstrecke entfernt.

Zudem werde ich zwei Wochen vor dem Lauf langsam meine Ernährung auf fettreiche Produkte umstellen, sodass sich mein Magen langsam an die spezielle Nahrung gewöhnen kann.

Flüssigkeitshaushalt: 6 Liter Wasser pro Tag

Neben der festen Nahrung ist aber auch auf einen ausgeglichenen Flüssigkeitshaushalt zu achten, um insbesondere eine Dehydration zu vermeiden. An einem Tag werden problemlos bis zu 6 Liter Trinkwasser benötigt. Aus diesem Grund werde ich neben einer Trinkblase am Körper (2,5 Liter) zusätzlich vier Thermoskannen mit heißem Wasser auf meiner Pulka mitführen. Hauptsächlich werde ich warmen Tee trinken.

Nahrungsergänzung

Eine Ergänzung bietet Peronin. 100g des Pulvers, welches aus mittelkettigen Triglyceriden besteht, wird mit ca. 400ml Wasser aufgegossen und sorgt für eine schnelle und dauerhafte Energiezufuhr, ohne das der Körper dadurch belastet wird. Wenn die einzelnen Checkpoints länger als eine Tageswanderung voneinander entfernt liegen, sind die Läufer dazu aufgefordert, tagsüber bzw. abends Schnee zu schmelzen, um Trinkwasser zu generieren. Eine Tätigkeit, die bei der Streckenplanung unbedingt mit eingeplant werden muss, um keine bösen Überraschungen zu erleben.